Wie Beteiligung, Schulradio und Fair-Play-Fußball ein Präventionsprojekt nachhaltig wirksam machen
Ein Raum voller Kinder. Dutzende Hände gehen nach oben. Nicht, weil jemand eine Wissensfrage gestellt hat – sondern weil es um etwas geht, das viele von ihnen erst noch einordnen müssen: Respekt.

So beginnt das !SocialSkills-Projekt an der Grundschule Bad Münder. Nicht im Klassenzimmer, nicht im Stundenplan – sondern als gemeinsame Erfahrung der ganzen Schule.
Beteiligung von Anfang an
Viele Wochen bevor die ersten Trainingseinheiten starten, kommt die gesamte Schulgemeinschaft zusammen. In einer Schulvollversammlung wird das Thema Respekt nicht erklärt, sondern sichtbar gemacht: durch Rollenspiele, konkrete Situationen und Fragen, die direkt an den Alltag der Kinder anknüpfen.
Der entscheidende Schritt: Die Kinder sind nicht nur Zuhörer*innen – sie werden aktiv einbezogen.
So entsteht von Anfang an ein gemeinsames Verständnis dafür, worum es im Projekt geht – und warum es für alle relevant ist.
Ausgangspunkt: ein konkretes Problem
Bevor die Trainings beginnen, wird eine einfache Frage gestellt: Wo funktioniert Respekt im Schulalltag eigentlich nicht?
Die Antworten der Kinder sind eindeutig: Besonders häufig kommt es beim Fußballspielen in den Pausen zu Konflikten.
Statt das als Nebenschauplatz zu behandeln, wird genau hier angesetzt.
Fair Play als Lernfeld im Alltag
Während der Projektwochen wird das Fußballspielen gezielt neu strukturiert:
- mehrere kleine Spielfelder
- klare Regeln für faires Verhalten
- begleitete Spielphasen in den Pausen
Der Höhepunkt ist ein Fair-Play-Turnier für die 3. und 4. Klassen.
Dabei gilt ein bewusst anderer Maßstab: Nicht die meisten Tore entscheiden – sondern das fairste Verhalten.
Unfaires Verhalten wird konsequent erfasst und bewertet – unter anderem durch eine Fair-Play-Jury, an der auch Kinder beteiligt sind.
So wird Respekt konkret: sichtbar, nachvollziehbar und direkt erfahrbar im eigenen Handeln.
Lernen durch Anwendung und Verantwortung
Das Projekt setzt nicht auf abstrakte Vermittlung, sondern auf Erfahrung:
- Kinder erleben, wie ihr Verhalten wirkt
- sie erkennen, wie Konflikte entstehen
- und sie lernen, wie sie diese beeinflussen können
Gleichzeitig übernehmen sie Verantwortung – nicht nur als Teilnehmende, sondern auch in aktiven Rollen, etwa bei der Bewertung von Fairness im Turnier.
Respekt wird damit nicht nur besprochen, sondern angewendet.
Ein besonderer Baustein: das Schulradio
Ein Element sticht dabei besonders hervor: die Beiträge der Kinder im schuleigenen Radio.

Dort berichten sie selbst über das Projekt – zum Beispiel über den Auftakt der Projektwochen oder darüber, wie sich Respekt bereits in kleinen Alltagssituationen zeigt, etwa bei der morgendlichen Begrüßung.
Das ist mehr als Begleitkommunikation. Es zeigt, dass die Kinder die Inhalte nicht nur aufnehmen, sondern in eigene Worte übersetzen.
Genau hier wird sichtbar, was nachhaltige Prävention ausmacht:
verstehen, reflektieren – und weitergeben.
Was dieses Projekt auszeichnet
Das !SocialSkills-Projekt an der Grundschule Bad Münder zeigt, worauf es bei wirksamer Prävention ankommt:
- frühe Beteiligung durch gemeinsame Formate wie die Schulversammlung
- konsequente Orientierung am Alltag der Kinder
- konkrete Anwendungssituationen wie das Fußballspielen in den Pausen
- aktive Rollen für Kinder, die Verantwortung übernehmen
- Reflexion durch eigene Beiträge, etwa im Schulradio
Fazit
Soziales Lernen entfaltet seine Wirkung nicht allein durch Inhalte. Entscheidend ist, ob es gelingt, diese Inhalte in den Alltag zu übertragen.
Die Grundschule Bad Münder zeigt, wie das gelingen kann: durch Beteiligung, durch konsequente Anwendung – und durch Räume, in denen Kinder selbst zu Wort kommen.
Oder anders gesagt: Respekt wird wirksam, wenn Kinder ihn nicht nur lernen – sondern mitgestalten.
Das !SocialSkills-Projekt in der Grundschule Bad Münder wurde übrigens zu 100 Prozent finanziert von der DFL Stiftung.


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