Wie !SocialSkills über Schulsozialarbeit im Schulalltag lebendig bleibt

Wie kann sozial-emotionales Lernen so im Schulalltag verankert werden, dass es nicht bei einem Projekt bleibt, dessen Wirkung oftmals schon nach kurzer Zeit verpufft? Mit dieser Frage beschäftigte sich das !Respect-Netzwerktreffen am 10.06.2026.

Rund 25 Teilnehmende aus !Respect-Projektschulen kamen online zusammen, darunter Schulleitungen, Schulsozialarbeiter*innen, Projektverantwortliche und OGS-Leitungen. Im Mittelpunkt stand ein Praxisbeispiel aus der Grundschule Gleidingen in Laatzen.

Benchmarkprojekt Grundschule Gleidingen: !SocialSkills nachhaltig verankern

Die Grundschule Gleidingen hatte in den Schuljahren 2022/23 und 2023/24 zwei !SocialSkills-Projekte mit dem !Respect e. V. durchgeführt. Nach einem Erstprojekt mit dem vollständigen Maßnahmenpaket für die gesamte Schulgemeinschaft folgte ein Auffrischungsprojekt: Die Kinder der Klassenstufe 1 erhielten erneut das sechsstündige Grundprogramm, die Klassenstufen 2 bis 4 jeweils eine zweistündige Auffrischung. Ergänzend fand ein Infoabend für Eltern und Erziehungsberechtigte statt.

Seitdem wird !SocialSkills an der Grundschule Gleidingen maßgeblich durch die dortige Schulsozialarbeiterin Simone Braun weitergeführt. In ihrem Impulsbeitrag zeigte sie, wie !SocialSkills-Inhalte regelmäßig aufgegriffen, eingeübt und mit weiteren Maßnahmen des sozialen Lernens verbunden werden können.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Wiederholung zentraler Inhalte, etwa der Stopp-Regel in drei Schritten, Selbstbehauptungsübungen und Strategien zur gewaltfreien Konfliktlösung. Die Kinder werden immer wieder darin bestärkt, kleinere Konflikte zunächst selbstständig und respektvoll zu klären – und sich Unterstützung zu holen, wenn sie allein nicht weiterkommen.

Schüler*innen der Grundschule Gleidingen vor der Stopp-Regel, die für alle gleichermaßen gilt (Foto: Grundschule Gleidingen)
Schüler*innen der Grundschule Gleidingen vor der Stopp-Regel, die für alle gleichermaßen gilt (Foto: Grundschule Gleidingen)

Die Schulgemeinschaft der Grundschule Gleidingen hat beschlossen, alle vier Jahre erneut mit !Respect zusammenzuarbeiten und dann jeweils wieder das vollständige !SocialSkills-Standardprogramm durchzuführen. In den Zwischenjahren werden die Inhalte schulintern aufgegriffen und weitergeführt – insbesondere durch die Schulsozialarbeit. So entsteht ein Wechselspiel aus externem Impuls, schulinterner Verstetigung und regelmäßiger Auffrischung. Das nächste Projekt mit !Respect ist für Ende 2027 bereits fest terminiert.

Vom Projekt zur Schulkultur

Deutlich wurde im Netzwerktreffen: Nachhaltigkeit entsteht nicht dadurch, dass ein Projekt einmal durchgeführt wird. Entscheidend ist, ob die Inhalte anschließend im Alltag sichtbar, ansprechbar und handlungsleitend bleiben.

An der Grundschule Gleidingen geschieht dies unter anderem durch:

  • mehrstündige Auffrischungen im Klassenverbund, die fest im Stundenplan verankert sind,
  • die Einbindung der Inhalte in Vertretungsstunden,
  • sichtbare Erinnerungen an die Stopp-Regel im Schulgebäude,
  • einen abgestimmten Umgang mit Konflikten und Regelverstößen,
  • enge Zusammenarbeit zwischen Schulsozialarbeit, Kollegium und Schulleitung,
  • Angebote wie Streitschlichtung, Klassenrat, Schüler*innen-Parlament sowie Arbeitsgemeinschaften zu Glück, Achtsamkeit oder Ringen und Raufen.

Die Pausenspiele

Besondere Beachtung fand das regelmäßige Angebot der Pausenspiele in der Laatzener Grundschule. Simone Braun berichtete, dass diese Spiele inzwischen immer stärker von den Kindern selbst nachgefragt werden. Wenn sie merken, dass es in der Pause unruhiger wird, Konflikte zunehmen oder einzelne Kinder keinen Anschluss finden, kommen sie auf die Schulsozialarbeiterin zu und bitten darum, ein gemeinsames Spiel zu initiieren.

Die Pausenspiele erfüllen dabei mehrere Funktionen gleichzeitig. Sie schaffen ein gemeinsames Angebot für Kinder der Klassenstufen 1 bis 4, ohne Teilnahmezwang: Wer mitmachen möchte, kann mitmachen; wer gerade etwas anderes braucht, muss nicht teilnehmen. Gleichzeitig werden Spielregeln vermittelt, Fairplay eingeübt und Bewegung ermöglicht. Die Pause wird dadurch nicht nur aktiver, sondern auch strukturierter.

Gerade diese Struktur kann Konflikte verringern. Denn viele Streitigkeiten entstehen nicht aus böser Absicht, sondern aus Langeweile, Ausschluss oder Unsicherheit. Wenn ein Kind niemanden zum Spielen findet, sich abgelehnt fühlt oder nicht weiß, wie es Kontakt aufnehmen soll, kann daraus schnell Stören, Ärgern oder Provozieren entstehen. Ein angeleitetes Spiel in der großen Pause bietet hier einen niedrigschwelligen Zugang: Kinder kommen über Bewegung, Spielregeln und gemeinsame Aktivität miteinander in Kontakt.

Auch für Kinder mit geringen Deutschkenntnissen können die Pausenspiele eine wichtige Brücke sein. Wer sprachlich noch nicht sicher ist, kann sich über gemeinsames Spielen leichter beteiligen, Regeln im Tun verstehen und erste Kontakte knüpfen. So werden Sprachbarrieren abgebaut und Integration im Alltag unterstützt – nicht abstrakt, sondern konkret auf dem Schulhof.

Als Beispiele nannte Simone Braun Spiele wie Zombieball, Brennball, Drachenschwänze fangen oder Stierarena. Die Kinder bringen dabei auch eigene Wünsche ein. Besonders deutlich wurde dies am Beispiel des Fußballplatzes: Weil dieser in vielen Pausen ein zentraler Konfliktort war, wurde im Schüler*innen-Parlament gemeinsam geregelt, welche Gruppen wann Fußball spielen dürfen. Kinder, die gerade keine Fußballpause haben, wenden sich inzwischen häufig an die Schulsozialarbeiterin und bitten um ein alternatives Spielangebot. So entstehen neue Möglichkeiten jenseits der immer gleichen Pausenroutinen.

Gerade darin liegt ein wichtiger Nachhaltigkeitsaspekt: Die !SocialSkills-Inhalte werden nicht nur im Klassenraum wiederholt, sondern in realen Alltagssituationen angewendet. Pausenspiele werden so zu einem praktischen Lernfeld für Rücksichtnahme, Selbstregulation, Fairplay, Kontaktaufnahme und Konfliktvermeidung.

Besonders deutlich wurde insgesamt, dass sozial-emotionales Lernen nicht isoliert betrachtet werden sollte. Es kann mit vielen Bereichen des Schullebens verbunden werden: mit Mitbestimmung, Bewegung, Elternarbeit, Pausengestaltung, Klassenklima, Konfliktberatung und einer gemeinsamen Haltung im Kollegium.

Austausch in Breakout-Sessions

Nach dem Impuls tauschten sich die Teilnehmenden des Netzwerktreffens in Breakout-Sessions darüber aus, welche Maßnahmen an ihren eigenen Schulen bereits zur Verstärkung der !SocialSkills-Projektwirkung beitragen und welche Ideen aus dem Laatzener Modell übertragbar sein könnten.

Dabei wurde unter anderem deutlich, dass viele Schulen bereits über zahlreiche Bausteine des sozialen Lernens verfügen. Die besondere Herausforderung besteht häufig darin, diese Bausteine nicht nebeneinanderstehen zu lassen, sondern sie sinnvoll miteinander zu verzahnen. Genau hier kann !SocialSkills einen gemeinsamen Bezugsrahmen bieten.

Zentrale Erkenntnisse des Netzwerktreffens

Aus dem Austausch ergaben sich mehrere Punkte, die für eine nachhaltige Umsetzung von !SocialSkills besonders wichtig sind:

  1. Wiederholung ist entscheidend.
    Kinder benötigen wiederkehrende Übungsgelegenheiten, damit sozial-emotionale Kompetenzen im Alltag abrufbar werden.
  2. Das Kollegium muss gemeinsame Regeln und Haltungen tragen.
    Kinder merken sehr schnell, ob Erwachsene unterschiedlich reagieren. Verlässlichkeit und Berechenbarkeit sind deshalb zentrale Voraussetzungen.
  3. Schulsozialarbeit kann eine wichtige Brückenfunktion übernehmen.
    Sie verbindet die Perspektiven von Kindern, Familien, Lehrkräften, Schulleitung und weiteren pädagogischen Fachkräften.
  4. Elternarbeit gehört dazu.
    Wenn Kinder zu Hause und in der Schule sehr unterschiedliche Botschaften zum Umgang mit Konflikten erhalten, braucht es Gesprächsangebote und Orientierung.
  5. Sozial-emotionales Lernen braucht Alltagssituationen.
    Pausen, Klassenrat, Schüler*innen-Parlament, Streitschlichtung oder gemeinsame Spiele bieten konkrete Lernräume, in denen Kinder respektvolles Miteinander üben können.

Simone Braun und der Grundschule Gleidingen sind ganz herzlich für den offenen Einblick in ihre Arbeit zu danken – und selbstverständlich auch allen Teilnehmenden für den kollegialen Austausch.

Die Präsentation und der Mitschnitt des Netzwerktreffens stehen hier zur Verfügung:

Das nächste !Respect-Netzwerktreffen ist bereits in Planung. Schulen, die eigene Erfahrungen, Best-Practice-Beispiele oder Fragen zur nachhaltigen Verankerung von !SocialSkills einbringen möchten, können sich gerne bei uns melden.


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